Crossroads

Der Melodie gehört die Zukunft

[Los Angeles, 15. März 1911]

Feruccio Busoni

 

Die Komposition „Crossroads“ besteht aus 5 Teilen, 4 Teile für Soloinstrumente, die separat, sie sind auch unabhängig voneinander, aufgeführt werden und der Endkomposition „Crossroads“ mit 28 Musikern.

A. Die 4 Kompositionen für Soloinstrumente

Die 4 Konzerte sind sehr intim (geringe Zuhörerzahl), also nur mit privater Einladung und nur bedingt öffentlich zugänglich, und werden zu bestimmten magischen Zeiten (21.3., 21.6., 23.9., 21.12 (Sonnenwenden)) auf 4 magischen Plätzen aufgeführt. Die magischen Plätze in den Niederlanden wurden u.a. von dem Hellseher Jelle Veeman ausgewählt, da er dort besondere Energien und Kräfte wahrnahm. Es müssen somit keine Kirchen u.s.w. sein, sondern Orte, die von anderen Traditionen und Kulturen geprägt sind. Denkbar sind auch Orte, die in die Zukunft weisen, z.B. revolutionäre Baukonzepte innerhalb der Architektur. Der besondere Umgang mit Licht spielt hierbei eine Rolle.

1. Crossroads - Path
für Bratsche und klingenden Sand
Mono Wiedergabe


2. Crossroads – Lane (Premiere 28.6.2008)
für Kontrabass und bewegendes Objekt
Mono Wiedergabe

3. Crossroads - Street
für Flöte und Spulengeräusche (rollende Kugeln)
Mono Wiedergabe

4. Crossroads - Avenue
für Oboe und Kreisel
Mono Wiedergabe

Die 4 Kompositionen für Soloinstrumente unterscheiden sich in ihrer "Größe", der Feldweg ist eben kleiner als die Avenue, und in der thematischen Behandlung der Melodien. Jede der Kompositionen ist etwa 20 Minuten lang.

Die Klänge, z.B. Sandrieseln, werden Mono abgespielt, damit wird das Direkte, das Pure unterstrichen.

B. „Crossroads“

"Crossroads" ist die Synthese der 4 Solostücke. Die Instrumente werden versiebenfacht, es gibt somit z.B. 7 Bratschen, die hintereinander sitzen und die von dem ersten Bratschisten geleitet und betreut werden. 28 Musiker in 4 Instrumentengruppen sind somit notwendig. Die anfänglichen Solisten sind somit später die Anführer und Impulsgeber ihrer eigenen Instrumentengruppe.

Die 4 Monobeschallungen ergeben bei „Crossroads“ eine Quadrobeschallung.

„Crossroads“ ist öffentlich zugänglich und wird in einem „normalen“ Konzertsaal aufgeführt.

Skizze

LS = Lautsprecher
Instrumentation des Monoklangs
Klangspektrum

 

Crossroads

 

Zuvor....

In sich hineinhören, das Hören nach und damit Entdecken der persönlichen inneren Kraft, die mein Wesen als Musiker bestimmt, leiten mich.

Was ist Musik, was und wie sollte sie sein und wie kann ich meine Visionen erklingen lassen? Die Suche nach Antworten auf diese Fragen bestimmt letztlich das intuitive Vermögen, das Eigene, das es zu entfalten gilt, zu musikalisieren. Meine geträumte Klangwelt erhält dann die Vitalität, die man schon vorher in seinem Inneren wahrgenommen hatte.

Nur dann kann ich als Komponist musizieren, mich der Natur von Musik nähern, die in Lichtgefilde aufbricht und das nur Hörbare hinter sich lässt. Die Notwendigkeit, die klingende Schönheit, die einem im Traum begegnete, auszudrücken, fordert eine Einkehr, eine Konzentration auf das Wesentliche, unabhängig von äußeren Einflüssen. Die Komposition ist das Finden meiner eigenen Sprache, die diese Schönheit an das Licht bringt. Das Musizieren ist somit mein ständiges Bedürfnis, Träume erklingen zu lassen, sie herauszubilden, sie dann nicht nur in Melodien, in Klänge zu fassen, sondern sie auch in den Raum geschehen zu lassen, der unsagbar ist.

Dann....

Seinen eigenen Weg somit bestimmen, nicht nur die erlernten Erfahrungen zeigen die Richtung. Eigene Intuitionen können selbstverständliche, bewusste Beschlüsse negieren, sie sogar in das Gegenteil kehren.

Man steht in einer unbekannten musikalischen Landschaft, die nicht fassbare Klangwelt scheint unerreichbar, das klingende Gebirge nicht formwillig. Wie soll man die ideale Linie finden, sei es so schnell wie möglich, oder langsam bewusst schreitend? Weit reichend und offen versucht man die Planung.

Die Komposition ist zu Beginn eine nicht besetzte, weiße Landkarte, die einzelnen Noten sind die Handlungen, die wiederum neue Entscheidungen bedingen. Hat man den richtigen klingenden Keim gefunden, die einzelnen Noten sind dann entweder die Grenzsteine, die man sich selbst gesetzt hat, oder einfach Markierungen, dann ergibt sich die Melodik aus dem Verlauf des Weges und man überschreitet die Klangberge, als wären sie niemals gewesen. Es eröffnet sich endlich ein Horizont und die Weite, die man hören wollte.

Vorraussetzung ist die Folge von „Werten“ einzelner Noten, also die eigenen Setzungen, die endlich zu einer Melodie führen. Warum sollte sich nach der ersten Note die folgende Note ergeben? Warum hört man schon die nächste Note, obwohl sie noch nichts tut? Natürlich spielen harmonische Denkweisen und das Spiel mit dem Kontrapunkt eine Rolle. Aber auch andere Funktionen, Wegpläne, Ablaufsteuerungen sind fühl- und denkbar.

Deswegen wurde als Grundlage für „Crossroads“ ein Melodietagebuch geführt, indem nicht nur die Melodie an sich, sondern auch ihre Valenz, ihr Aufforderungscharakter skizziert wird; meine Ahnungen und Stimmungen, meine Motivation also, die mich beflügelten, die Melodie als eine Einheit darstellen zu können. Erst geht es um eine bewusste Auswahl der Noten, die nur innerhalb einer Oktave liegen dürfen (Diastematik); dann um die Dauer der einzelnen Töne, der Rhythmus, wird von der Valenz bestimmt.

 

Doch alle diese Wege, gleicher oder ungleicher Art, die aber jeder verschieden für sich eine Einheit bilden, werden sich einmal kreuzen. Sie werden sich überschneiden oder miteinander zusammengeführt. Schnittpunkte, „Crossroads“, Energiefelder treten auf, die wiederum in eine Richtung weisen, der man folgt. Egal ob diese Melodiekarte, der Wegeplan, rhizomartige oder zielbewusste angelegte Richtungen bringt, alle Wege durchkreuzen einander im Spiel und ergeben Klangmuster, deren Wesen einer inneren Bewegung folgt, nämlich der unermüdlichen Reflektion auf die Resonanz, die Musik hervorruft. Durch das vorher Abtasten von „Zuständen“ und deren Aneinanderreihung, Periodik, zu einer „großen“ Melodielinie können andere, vielleicht mir unbekannte, musikalische Setzungen bestimmt werden, die Hohlräume ausfüllen und zu fremden Verknüpfungen führen können. Dieses wiederum zeichnet die Energiefelder bei „Crossroads“ aus.

 

© Michael Fahres, 12.2.2008

 

 

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