 |
DAS SIGNAL - HAIN
1991

Drei musikalische Neuformulierungen, Tätowierungen über die Selk'nam Indianer (Ona's) in Feuerland, Argentinien
iD1. Die Aufforderung - Héhé (7'56") ID2. Die Begegnung - Yoyoyoyo (3'49") ID3. - Húp ke kep (3'19") ID4. Die Verwandlung - Ham-nia (6'30")
Im Auftrag des Goethe-Instituts Buenos Aires
für Lola Kiepa
Stimme: Lola Kjepa Keyboards: Simon Been Percussion und weiße Kieselsteine: Michael Jüllich Blockflöte und elektronische Instrumente: Michael Fahres Produktion: Michael Fahres Co-Produktion: Simon Been Studios: Ata Tak, Düsseldorf; CEM, Arnhem Tontechnik: Kurt Dahlke und Tibor Fueloep
Vielen Dank an Anne Chapman, die mir die Orginalmusikfragmente zur Verfügung gestellt hat. Dank auch an Smithsonian Folkways in Washington, Hernan Vidal, der Stadt Ushuaia, dem Völkerkundemuseum, Berlin, Edda Brandes und Bruce Chatwin.
Text zu Hain: In einem Zeitraum von etwa einhundert Jahren, zwischen der letzten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und 1971, wurden die Ureinwohner Feuerlands, die Indianer, die sich Selk'nam oder Ona's nannten, von den Weißen ermordet oder kamen durch eingeschleppte Krankheiten der "neuen" Siedler um's Leben.1966 zeichnete die amerikanische Anthropologin Anne Chapman Lieder der letzen Shamanin, Lola Kiepa, auf. In meiner Schraffur "Hain", die sich u.a. auf den Ritus "Hain" der Selk'nam bezieht, wurden vier Chants von Lola Kiepa in ihrer Orginalversion übernommen und musikalisch neuformuliert.Diese vier Lieder hatten bei den Selk'nam folgende Bedeutung:
Héhé: Das Lied wurde von den Männern gesungen während der Hóshtan-Szene. Währenddessen wurde mit den Frauen getanzt und gefeiert. Am Anfang und während des Liedes Héhé hören wir eine der ersten Tonaufzeichnungen auf Wachsplatten (“By the Ona Tininisk at Harberton, December 28th, 1907”), die der Anthropologe Charles W. Furlong in Feuerland von den Selk’nam machte. Héhé endet mit dem auditiv dargestellten Tod (liegende Sinustöne) der Selk’nam.
Yoyoyoyo: Ein von den Männern gesungenes Lied in dem "Hain", der Hütte. Der Gott Kulan stieg vom Himmel herab.
Hùp ke kep: Frauen sangen dieses Lied. Koshménk erschien.
Ham-nia: Das Lied der Shamanin. Diese Chants wurden oft in Trance rezitiert. Der Weg, weg von der Hütte, dem Haus, hin zu dem, was kommen wird, der Zukunft, dem Himmel. "Ich folge den Weg von denen, die uns verlassen haben".
"Hain" tätowiert
Die Komposition “Das Signal-Hain” wurde am 5.12.1991 während des Projektes “Ficcion Disco” in Buenos Aires uraufgeführt.
kARRYON
(Selk’nam) (oir hablar) (Carry on - Carillon)
“Ich habe gehört, was andere über die Selk’nam Indianer in Tierra del Fuego erzählt haben”
Shoort
1992 1. Satz Eine musikalische Aufzeichnung
“Der Geist “Shoort” erinnert an die verklungene Kultur der Selknam”
ID5. Milonga (2’26”) ID6. Cauquen del Fuego (9’27”) ID7. Kaisiya (6’21”) ID8. Milonga (3’24”)
Im Auftrag des Fonds voor de Scheppende Toonkunst Amsterdam
Stimme: Lola Kjepa Erzähler: Segundo Arteaga Stimme und Gitarre: Nieves Cabrera Flöten: Ramon Ernesto Leiva Aufnahmen der Vögel: Roberto Straneck Midi-Assistenz: Arno Peeters Studios: Cem, Arnhem; NOS, Hilversum
Mit Dank an Anne Chapman, Smithsonian Folkways, Hector Zanola, dem Museo del Fin del Mundo in Ushuaia, Sofia Ballve, Martine Inklaar, Maarten Coelink und Abel Ricardo Basti
Text zu Karryon-Shoort: Die Komposition “Karryon, Shoort” (die “Shoorte” sind die aktiven Geister der Götter, die während des Initialisierungsritus “Hain” auftreten) beschreibt das Leben und den bevorstehenden Untergang der Selk’nam Indianer in Feuerland (Argentinien). . Mit einer Milonga, einem langsamen Gesangsstück, das von dem Gaucho-Payador (Stehgreifdichter) Nieves Cabrera gespielt wird und die Komposition einfasst, wird der Hörer in die Geschichte dieser Indianer eingeführt.
MILONGA (Payada) Text: Nieves Cabrera
I. Tierra vieja, del nativo, tierra del hombre primero, que al canto de los jilgueros al dia se acerca "ahorin" el acento sensitivo tiene color de bandera. Sus sierras y sus laderas tendrían de color de armiño el legendario cariño que le tenía a su rivera.
II. El tiempo pasó violento dejando viejos ensayos y los hombres de a caballo llegan pa' pechar el viento, y alli engarza el sufrimiento el sentido con las quejas, el sabor de patria vieja sacó de su yanta un taco, se le fueron los guanacos y llegaron las ovejas.
III. Y avanzaba el estanciero como pa' comer la tierra, mirando vegas y sierras porque habia llegau primero. El indio no fué aparcero fue' tal vez como se encierra un coraje que lo aterra pero que tienen la escencia lo expulsaban de su "querencia", de su nativa tierra.
IV. Y ya sin señas ni apronte en sus horas de vigilia ya perdiendo la familia detrás de algún horizonte, o ya ganándose el monte para buscar más confianza, levantando la semblanza de aquel blancores de armiño y conservando el cariño, pa' guardar una esperanza.
V. La nieve lo vió cruzar en llegendarios vaivenes les gritaron los kaikenes como quién dice, "al pasar", nadie los supo esperar por éso es que se ha ido y tal vez entrentenido mi canto le llegará..... ¡quién sabe a dónde andará, tras un manto de olvido!
VI. Y llegaron Salesianos con las buenas intenciones, y amontonaron "patrones" para pedirles una mano, el sierro, pompas y llanos hablan d'epocas pasadas, por éso es que la majada se fue tendiendo señores y solo quedó el calor de una raza ya extirpada.
Rio Grande, 20.12.1991
I. Ancient earth, owned by him who was born there, earth of the first human, who by the song of the finches greets the day. The penetrating sound has the colours of his flag. His mountains and hills, get the hue of ermine, from the white man. He loved his spring.
II. Time fared stormy, left old poems behind. The men on their horses appeared, to battle the wind. So the suffering threaded. What rested him other than the bread, the taste of the old fatherland? And lamas gave way to sheep.
III. The landowner approached, as if to swallow the earth, he examined the fertile ground. He arrived first. The Indian did not become the owner, maybe because he was held prisoner, jammed in a rage. Ousted from his ground, his beloved native ground.
IV. Without destination, without means, in the slow hours of staying awake, he lost his family, beyond a far horizon. He climbed mountains to resist. More and more he got the countenanance of the white ermine, even though he cherised his life, so that he could maintain hope.
V. The snow saw him wandering on his legendary journeys. The kaikenes-birds called out to him, as you greet someone in passing. No-one was waiting for him, so he left. Perhaps, when he is standing still, this song might come to him. Who knows where he is going, in his cloak of oblivion.
VI. The missionaries came, with their good intensions, and united all patron saints, to request their assistance. The mountains, the trees, the plains, speak of long gone times. Thence it came that the gentlemen, went to tend sheep. What rests is only the warmth, the warmth of a wiped out race.
Ein anderer Themabogen wird mit den Zitaten des gebrochen sprechenden Halbindianers Segundo Arteaga gezogen. Dieser alte Mann kann seine eigene Sprache kaum noch sprechen und erinnert sich mit den Sätzen wie “es ist kalt” nur noch schemenhaft an seine Vergangenheit und seinen Ursprung.
Den Hauptteil von “Shoort” bildet die Vogelkomposition “Cauquen del Fuego”. Die Vögel spielten eine wichtige Rolle im Leben der Indianer. Die Cauquenes, die Gänse und andere Vögel fliegen aus dem explodierenden Flammenball, um dem ankommenden Unheil, das über den Selk’nam schwebt, zu entkommen. Die Vögel werden am Ende des Stückes von dem chilenischen Musiker Ramon Ernesto Leiva mit Flöten imitiert.
Der Chant “Kaisiya” gesungen von der Shamanin Lola Kjepa ist der Mittelpunkt der “Feuergänse”. In “Kaisiya”, dem Lied über das Bezaubern des Wales, sind kleine opernartig modulierte Versatzstücke eingebettet, die an die europäischen Kolonialisten erinnern sollen. Der Walfisch steht hier sinnbildlich für die Selk’nam, nämlich das Aussterben bedingt durch die Ausbeutung des Menschen.
KARRYON
Short
1992/1994 Auszug aus dem 2. Satz Eine musikalische Aufzeichnung
“Es soll nicht mehr lang dauern, bis alles vergessen ist”
ID9. Coda (2’04”) ID10. Cerca Diosi (6’17”)
Im Auftrag des Fonds voor de Scheppende Toonkunst Amsterdam
für La India Varela und Segundo Arteaga
Stimme: Lola Kjepa Erzähler: Segundo Arteaga Produktion: Michael Fahres Ata Tak Studio, Düsseldorf Tontechnik: Kurt Dahlke
Mit Dank an Anne Chapman, Smithsonian Folkways, Carlos Baldassarre, Anne Maria Stadnik, Patricia, Martine Inklaar, Bartolomé Ramos Varga, Jan Landuydt, Maarten Coelink und natürlich an alle, die mir bei der Realisierung des Projektes geholfen haben.
Text zu Karryon-Short Herr Segundo Arteaga (84 Jahre alt), einer der zwei letzten lebenden Creolen (die Väter waren jeweils Argentinier bzw. Chilene, die Mütter Selk’nam Indianer), erzählt am Ende von “Short” über seinen Versuch, mit dem Leben von heute fertig zu werden.
Segundo Arteaga: “Aprendi a leer por mis propios medios. Pero algo lei mucho, lei sobre mi pais y de Chile tambien y algunas cosas europeas tambien, como son los mares, los nombres de los mares y todo eso, lei mucho, novelas quiero decir. Y quiero decir que aprendi una cosa, dejaba esa y me iba a otra, y antes que termine esa me iba a otra, por hacerlo asi, ahora chaporreteo.“
(Übersetzung) “Ich habe mir selbst das Lesen beigebracht. Und ich habe viel gelesen über mein Land und auch über Chile und auch noch über die europäischen Dinge, wie die Meere da aussehen, wie sie heißen und so, ja ich habe viel gelesen,auch Romane und so. Und ich lehrte so einiges, aber dann ließ ich es wieder sein und begann etwas anderes, bevor ich das erste beendet hatte und deswegen spreche ich jetzt ein bischen kindlich.“ . Die Wasser und Windklänge, das Knacken des Bambusholzes bezeugen die Natur und damit auch die immerwährende Vergänglichkeit. Mit der kanonischen Bearbeitung des Chants “Cerca Diosi” (spanisch: cerca de Dios), hier noch einmal von Lola Kjepa gesungen, wird auf die Christianisierung der Indianer verwiesen. Es ist ein Chant, den Lola in der Salesianer Mission lernte, die Anrufung “Nahe zu Gott”. Es soll eben nicht mehr lange dauern, bis die Kultur der Selk’nam erloschen ist.
Text zu Karryon In der Komposition “Karryon” skizziert “Short” die Gegenwart in Feuerland, der 1.Teil “Shoort” beschreibt musikalisch die Vergangenheit, der 3. Teil “Shore” die Fiktion, die Zukunft. Die Komposition “Karryon” wurde am 25.9.1994 während des Projektes “SUNWHEEL” in Massada (Israel) uraufgeführt.
MERCURY SOUND
1992
ID 11. Mercury Sound (4’18”) ID 12. Escape Shore (0’31”)
Stimme und Gitarre: Ramon Ernesto Leiva Produktion: Michael Fahres Studios: Ata Tak, Düsseldorf; CEM, Arnhem Tontechnik: Kurt Dahlke und Tibor Fueloep
Text zu Mercury Sound: Der Titel “Mercury Sound”, der Klang oder die Meerende des Merkur, bezieht sich auf eine gleichnamige Bucht auf der Clarence-Insel im Süden Chiles. Die Yamana-Indianer fanden hier den wertvollen Feuerstein, der nicht nur zur Entzündung des Feuers, sondern auch als Geldmittel diente. Der Musiker Ramon Ernesto Leiva singt ein Lied der Yamana, der Kanuindianer, die noch heute in geringer Zahl auf der chilenischen Seite von Feuerland leben. Die Vögel entfliehen dem Ort des Geschehens und fliegen in andere Gefilde.
HAIN
Michael Fahres
Ode an die Selk’nam Indianer in Feuerland
Stimme: Lola Kjepa Erzähler: Segundo Arteaga Stimme und Gitarre: Nieves Cabrera Stimme, Gitarre und Flöten: Ramon Ernesto Leiva Keyboards: Simon Been Percussion und weiße Kieselsteine: Michael Jüllich Blockflöte und elektronische Instrumente: Michael Fahres Aufnahmen der Vögel: Roberto Straneck Midi-Assistenz: Arno Peeters Tontechnik: Kurt Dahlke und Tibor Fueloep Studios: Ata Tak, Düsseldorf; CEM, Arnhem; NPS, Hilversum Co-Produktion: Simon Been (das Signal-Hain) Postproduktion: Dick Lucas/DATARECORDS, Amsterdam Produktion: Michael Fahres
Gesamtlänge der Komposition: 57’19”
Vielen Dank an Anne Chapman, die mir die Orginalmusikfragmente von Lola Kjepa zur Verfügung gestellt hat. Dank auch an Smithsonian Folkways in Washington, der Stadt Ushuaia, hier besonders dem Museo del Fin del Mundo und Hector Zanola, Anne Maria Stadnik, Patricia, Hernan Vidal, Carlos Baldassarre, Abel Ricardo Basti, Sofia Ballve, dem Völkerkundemuseum Berlin, Edda Brandes, Bruce Chatwin und natürlich Dank an alle, die mir bei der weiteren Realisierung des Projektes geholfen haben. Die Goetheinstitute in München und Buenos Aires ermöglichten die Realisierung einiger Kompositionen. Für die Übersetzungen in Holland sorgten Martine Inklaar, Bartolomé Ramos Varga, Jan Landuydt und Maarten Coelink.
< zurück
|
 |